Sanierung von Bad und Küche
Wer die Küche oder das Bad renovieren möchte, sollte sich Gedanken zum Grundriss sowie zu zusätzlichen Funktionen machen – und die Anschlüsse nicht vergessen.
Text — Raphael Hegglin
Schweizer Küchen sind hochwertig und halten lange. Ihre Lebensdauer wird mit etwa 25 Jahren beziffert, oftmals halten sie jedoch länger. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem die Küche ersetzt werden muss.
Oft besteht dann der Wunsch, den Grundriss der Küche zu ändern – eventuell soll sie sogar zum Wohnbereich hin geöffnet werden. Grundrissänderungen bedeuten jedoch oft, dass Strom-, Wasser-, und Abluftleitungen verlegt werden müssen. Dies erfordert eine sorgfältige, fachgerechte Planung. Sie verhindert Baumängel und ausufernde Kosten.
DIE NEUE KÜCHE IST ERGONOMISCH
Eine neue Küche lässt sich komplett neugestalten. Trotzdem sind einige grundsätzliche Punkte zu berücksichtigen: Unabhängig vom Grundriss sollte das Prinzip des Arbeitsdreiecks erfüllt sein. Dieses Konzept verbindet die drei zentralen Arbeitsbereiche Kühlschrank, Herd und Spüle (inklusive Abfall) miteinander. Denn diese Punkte bilden die häufigsten Bewegungswege in der Küche. Durch die Anordnung in einem Dreieck sind die Wege automatisch kürzer, was die Arbeit effizienter gestaltet. Das Arbeitsdreieck lässt sich auf nahezu alle Küchenformen anwenden, ausser auf die einzeilige Küche.
Auch die Ergonomie ist wichtig, sie ist in den vergangenen Jahrzehnten oft vergessen gegangen. Durch eine individuell angepasste Arbeitshöhe lassen sich Rückenschmerzen vorzubeugen: Die ideale Höhe liegt etwa 10 bis 15 cm unterhalb des Ellbogens. Für Küchen, die von mehreren Personen mit unterschiedlichen Körpergrössen genutzt werden, gibt es höhenverstellbare Arbeitsflächen.
PROFESSIONELLE PLANUNG ZAHLT SICH AUS
Auf Funktionalität hat man früher ebenfalls weniger geachtet. Oberschränke mit Türen statt Klappen, Unterbauten mit unpraktisch angeordneten Regale und Backöfen, für die man sich bücken muss oder Schubladen, die zuknallen, sind in alten Küchen weit verbreitet.
In modernen Küchen sind Oberschränke mit Klappen ausgestattet, die sich auf Wunsch sogar auf Knopfdruck schliessen lassen. Für den Unterschrankbereich gibt es gedämpfte Vollauszüge, und bei Bedarf lassen sich sämtliche Schränke und Schubladen grifflos bedienen. Damit bleibt man nicht mehr mit der Kleidung hängen oder stösst sich an hervorstehenden Griffen. Die Planung einer neuen Küche sollte man spätestens bei der Detailarbeit in professionelle Hände übergeben. Küchenbauer erstellen eine erste Planung meist kostenlos und unverbindlich.
INFO
LEITUNGEN EBENFALLS ERSETZEN
Auch Stromkabel und Wasserleitungen halten nicht ewig, ihre Lebensdauer wird mit etwa 40 Jahren beziffert. Zwar halten sie oft länger – gehen sie jedoch kaputt, so kann dies grossen Schaden verursachen. Es empfiehlt sich daher, im Zuge einer Küchen- und/oder Badsanierung gleich die Wasserleitungen und Stromkabel bis um Verteiler zu ersetzen – es kommt dann am günstigsten.
BADEZIMMER-GRUNDRISS OFT UNVERÄNDERLICH
Einem neuen Badzimmer sind oft etwas engere Grenzen gesetzt als einer neuen Küche. Denn viele Faktoren wie Abwasseranschlüsse oder Grundfläche sind gegeben und lassen sich nur mit grossem Kostenaufwand verändern.
Trotzdem bietet das moderne Bad deutlich mehr Komfort. Mit neuen Boden- und Wandbelägen sowie modernen Armaturen lässt sich ein Badezimmer komplett umgestalten. Ebenerdige Duschkabinen, zum Beispiel mit einer Regendusche ausgestattet, erhöhen zudem den Komfort – und schaffen Barrierefreiheit: Diesen Punkt sollte man bei einem neuen Bad, wenn immer möglich, beachten. Er ging in der Vergangenheit nur zu oft vergessen und ist heute Grund dafür, dass viele Häuser und Wohnungen nicht alterstauglich sind.
MEHR ALS NUR ZUR KÖRPERHYGIENE
Weitverbreitet ist der Wunsch, das neue Badezimmer auch als Wellnessoase zu nutzen. Dimmbare LED mit einstellbarer Lichtfarbe sorgen hier für eine entspannende Atmosphäre. Viele Sanitäreinrichtungen sind zudem mit Wellness-Funktionen ausgestattet: Mit der Dampfdusche kann man sowohl duschen als auch dampfbaden. Whirlwannen wiederum kombinieren Baden mit Sprudelvergnügen. Je nach Modell sind sie mit Massagedüsen und/ oder Luftdüsen ausgestattet. Bei der Modellwahl sollte man jedoch nicht nur auf die Anzahl Funktionen und aufs Design achten: Wichtig ist auch, dass sich Sanitärinstallationen leicht reinigen lassen. Dies ist bei den Düsen von Dampfduschen und Whirlwannen nicht immer der Fall – es lohnt sich, hier genau hinzuschauen.
EINFAMILIENHÄUSER IM LAUFE DER ZEIT
Vor 1910
Materialien aus verschiedenen Jahrzehnten.
Küche und Bad werden bereits mindestens einmal ersetzt worden sein. Oftmals sind jedoch noch alte Wasser- und Stromleitungen vorhanden. Diese sollten ersetzt werden, die Wasserrohre sind zudem auf Blei zu prüfen. Fliesen wurden damals oft mit asbesthaltigem Fliesenkleber befestigt. Bevor alte Plättli entfernt werden, muss zwingend eine Asbestanalyse durchgeführt werden. Tipp: Küchen aus dieser Zeit wurden oft aus Massivholz gefertigt. Ist dies der Fall, lohnt sich eventuell eine Restaurierung oder ein Upcycling, denn sie sind hochwertig und beständig
1910 bis 1949
Kleine Bäder, kleine Küchen, veraltete Elektroinstallationen.
Elektroinstallationen im Nassbereich, die zu dieser Zeit erstellt wurden, sind aus heutiger Sicht nicht sicher und gehören ersetzt (falls vorhanden). Bäder und Küchen waren meist kleine Räume. Zumindest die Küche lässt sich in vielen Fällen – durch Öffnen zum Wohnraum – vergrössern. Fliesen wurden damals oft mit asbesthaltigem Fliesenkleber befestigt. Bevor alte Plättli entfernt werden, muss zwingend eine Asbestanalyse durchgeführt werden. Bäder aus dieser Zeit werden oftmals durch ein Fenster belüftet. Der Einbau eines Ventilators verbessert die Durchlüftung.
1950 bis 1969
Hinter den Fliesen besteht erhöhter Sanierungsbedarf.
Elektroinstallationen in Feuchträumen, die zu jener Zeit durchgeführt wurden, entsprechen heute nicht mehr den Sicherheitsstandards und sollten dringend erneuert werden. In vielen Fällen lässt sich die Küche durch Öffnung zum Wohnbereich vergrössern. Fliesen wurden damals oft mit asbesthaltigem Fliesenkleber befestigt. Bevor alte Plättli entfernt werden, muss zwingend eine Asbestanalyse durchgeführt werden. Bäder aus dieser Zeit verfügen oft über eine Fensterbelüftung; der Einbau eines Ventilators kann die Luftzirkulation zusätzlich verbessern.
1970 bis 1989
Vieles funktioniert noch – gefällt jedoch nicht mehr.
Der Stil von Küchen und Bädern aus dieser Zeit war oft nicht zeitlos. Schon durch den Ersatz von Waschbecken, Kloschüssel und Badewanne bzw. Duschtasse entsteht ein völlig neues Bad. Beim Ersatz von Wasserhähnen und Mischbatterien sollte man auf hochwertige Qualität achten, denn heute gibt es auch viele Billigprodukte auf dem Markt, die nicht lange halten. Auch hier gilt in Küche und Bad: Bevor alte Plättli entfernt werden, muss zwingend eine Asbestanalyse durchgeführt werden. Denn Fliesenkleber aus dieser Zeit ist oft asbesthaltig.
1990 bis 2009
Aufhübschen statt ersetzen und fortwerfen.
Das Lebensende von Küche und Bad ist oftmals noch nicht erreicht. Trotzdem äussert sich vielfach der Wunsch nach etwas Neuem, Zeitgemässen. Sowohl Bad wie auch Küche lassen sich mit Dekomaterial unkompliziert umgestalten. Besondere Effekte schafft farbiges Licht, mit welchem sich die unterschiedlichsten Stimmungen erzeugen lassen. Küche wie auch Bad lassen sich oft einfach mit LED-Lampen und -Leuchten nachrüsten. Elektrogeräte hingegen sind oft schon in die Jahre gekommen. Sie sollten durch Geräte mit bestmöglicher Energieeffizienz ersetzt werden.
Fotos: Peter Hert / i-PRESSUM GmbH
Diese Themen unserer Gebäudesanierungsrubrik sind bereits erschienen:

