Foto: 4B AG

Fenster müssen verschiedene Funktionen erfüllen

Fenster sind dazu da, Tageslicht in einen Raum zu lassen und den Blick nach draussen zu ermöglichen. Gleichzeitig soll durch sie so wenig Wärme wie möglich verloren gehen – und sie müssen sich zum Lüften öffnen lassen.

Text — Raphael Hegglin

 

Beim Blick auf diesen Anforderungskatalog wird klar, dass die Konstruktion eines Fensters anspruchsvoll ist. Es muss Regen, Kälte und Hitze sowie Sonneneinstrahlung trotzen und darf sich dabei nie verformen – sonst würde es undicht werden. Hinzu kommt ein Öffnungsmechanismus, der äusserst exakt arbeiten muss. Es verwundert daher nicht, dass Fenster grosse Energie-Schlupflöcher sind: Über 30 % der Heizwärme kann durch sie verloren gehen. Bei neuen Fenstern ist hingegen eine Dreifachverglasung Standard, wodurch sie bis zu fünfmal bessere Dämmwerte aufweisen.

 

HOLZ, METALL UND KUNSTSTOFF

Wichtiges Merkmal für ein Fenster ist heute die Energieetikette. Ihre Spannweite reicht von der Klasse A für sehr gute Fenster bis zur Klasse G für alte, dringend sanierungsbedürftige Modelle. Neue Fenster sollten immer in der Klasse A sein: Ihr etwas höherer Preis amortisiert sich aufgrund der Heizkostenersparnis weit vor Ablauf ihrer Lebensdauer. Mit Fenstern der A-Klasse lässt sich je nach Ausrichtung sogar Energie gewinnen: Der Wärmeverlust durch sie ist kleiner als der Wärmeeintrag durchs eintretende Sonnenlicht.

Fenster-Rahmen und -Flügel sind aus Holz, einer Holz-Metall-Kombination, Metall oder Kunststoff gefertigt. In ökologischer Hinsicht können alle Varianten gut oder schlecht abschneiden. Entscheidend ist, wie die Rohstoffe erzeugt und verarbeitet wurden und ob sie am Ende ihrer Lebensdauer rezykliert werden. Neben der Energieetikette sind daher weiter weitere Zertifikate wie zum Beispiel das FSC-Label für Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft wichtig.

 

WÄRMEBRÜCKEN VERMEIDEN

Günstige Alternative zu einem kompletten Fensterersatz bieten Sanierungsfenster (auch Renovationsfenster oder Wechselrahmenfenster). Sie lassen sich auf den alten Blendrahmen montieren, wodurch Maurer- und Malerarbeiten entfallen. Man sollte vorher allerdings abklären, ob sich die Fensterlaibungen auch mit einem Sanierungsfenster aufdämmen lassen (mindestens 4 cm). Denn wird später die Fassade gedämmt, bilden ungedämmte Fensterlaibungen Wärmebrücken.
Eine weitere Wärmebrücke im Bereich alter Fenster bilden Storenkasten. In Altbauten sind sie meist nicht gedämmt und das Mauerwerk ist dort nur einige Zentimeter dick. Es empfiehlt sich daher, bei einem Fensterersatz auch die Storenkästen erneuern zu lassen.

Fenster verhindern zudem – im Gegensatz zu alten Modellen – den Luftaustausch. Dadurch kann sich die Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen markant erhöhen, was zu Feuchteschäden und Schimmelpilzwachstum führen kann. Regelmässiges Stosslüften ist mit neuen Fenstern daher Pflicht.

 

EFFIZIENTER EINBRUCHSCHUTZ

Mit neuen Fenster lässt sich nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch der Einbruchschutz verbessern. Dieser wird mit den Widerstandsklassen RC 1 bis RC 6 klassifiziert. Je höher die Klasse, desto besser der Einbruchschutz, da zum Beispiel mehr Verriegelungsbolzen vorhanden sind. 

Die – aufgrund des Preisdrucks häufig angebotene – Grundsicherheit (RC1 und RC2 N) genügen nicht, um einen Einbruch wirksam zu verhindern. Fenster im Parterre sowie an anderen gut zugänglichen Stellen auf Terrassen und Balkonen sollten man daher in einer höheren Widerstandsklasse wählen.

EINFAMILIENHÄUSER IM LAUFE DER ZEIT

Vor 1910

Der Denkmalschutz redet oft mit und der Spielraum ist klein.

Oft gelten für diese Häuser punkto Denkmalschutz strenge Auflagen. Eventuell ist ein 1:1-Fensterersatz nicht erlaubt und die bestehenden Fenster müssen restauriert werden. Teilweise dürfen neue Fenster verbaut werden, welche wie die Originalfenster ausschauen und funktionieren, jedoch wesentlich besser dämmen. Die meisten historischen Gebäude sind mit Fensterläden versehen, es gab in dieser Zeit jedoch schon Rollläden. Auch deren Sanierung unterliegt oft Auflagen, eine Dämmung ist trotzdem empfehlenswert.

1910 bis 1949 

Die zweite oder dritte Generation Fenster dämmt ebenfalls schlecht.

Die Fenster von Häusern aus dieser Epoche sind meist schon einmal ausgetauscht worden. Doch auch diese neuen Fenster sind üblicherweise mehr als 20 Jahre alt und weisen schlechte Dämm- und Schallschutzwerte aus. Ein Fensterersatz ist daher dringend empfehlenswert. Im Zuge eines Fensterersatzes lassen sich kleine Fensteröffnungen vergrössern, um mehr Fensterfläche zu erhalten. Das so gewonnene Mehr an Tageslicht erhöht den Wohnkomfort deutlich. Storenkästen aus dieser Zeit sind ungedämmt und sollten dringend ersetzt werden.

1950 bis 1969

Ein Fensterersatz birgt Chance auf mehr Tageslicht und Wohnkomfort.

In dieser Zeit kamen erste Doppelverglasungen auf den Markt. Doch Fenster aus dieser Zeit dämmen trotzdem drei- bis viermal weniger gut als neue in der Energieklasse A und bieten keinen guten Schall- und Einbruchschutz. Im Zuge eines Fensterersatzes lassen sich kleine Fensteröffnungen vergrössern, um mehr Fensterfläche zu erhalten. Das so gewonnene Mehr an Tagelicht erhöht den Wohnkomfort deutlich und lässt die Räume grösser erscheinen. Storenkästen aus dieser Zeit sind ungedämmt und sollten dringend ersetzt werden.

1970 bis 1989

Vor dem Heizungsersatz sollte man die Fenster ersetzen.

Diese Häuser sind oft noch mit ihren Originalfenster ausgestattet. Zwar funktionieren diese meist noch einwandfrei, halten den heutigen Anforderungen an die Energieeffizienz jedoch nicht stand. Mit U-Werten von 2,5 W/m2·K dämmen sie zwei- bis dreimal weniger gut als zeitgemässe Fenster. Der Ersatz dieser Fenster reicht oft aus, auf eine effiziente Heizung mit tiefem Heizwärmebedarf – etwa eine Wärmepumpe mit Bodenheizung – umsteigen zu können. An diesen Häusern bilden Storenkästen immer noch energetische Schwachstellen und sollten gedämmt werden.

1990 bis 2009

Unterhalt der Fenster gewährleistet gleichbleibende Energieeffizienz.

Bei diesen Häusern ist ein Fensterersatz meist noch kein Thema. Im Hinblick auf den früher oder später notwendig werdenden Heizungsersatz sollte er jedoch geplant sein. Es besteht dann mehr Wahlfreiheit beim Heizsystem. Wichtig ist der Unterhalt funktionierender Fenster: Sie müssen vollständig schliessen und abdichten. Ansonsten ist es an der Zeit, nachzujustieren und die Gummidichtungen auszutauschen. So nimmt die Dämmfähigkeit der Fenster nicht ab. Zudem lohnt es sich, den Einbruchschutz solcher Fenster zu überprüfen und bei Bedarf nachzurüsten.

Fotos: Peter Hert / i-PRESSUM GmbH

 

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