Upcycling: So möbeln Sie Ihr Lieblingsstück auf
Mit Upcycling kommen alte Möbel und Bauteile zu neuem Glanz. Aber was genau lässt sich alles upcyclen, welche Techniken stehen zur Verfügung – und worauf sollte man beim Kauf von Altmöbeln achten?
Text — Tanja Seufert
Ob Omas alte Kommode, das hübsche, aber abgeschossene Couchtischli, eine zu enge Jeans oder leere Konservenbüchsen: Mit Upcycling lassen sich alle möglichen Gegenstände verwerten und in etwas Neues verwandeln – sei es, weil man ein geliebtes Erbstück behalten möchte oder sei es als Hobby. Im Gegensatz zum Recycling, bei dem Materialien zerlegt und in ihren Rohzustand zurückgeführt werden, zielt Upcycling darauf ab, gebrauchte Gegenstände mit neuem Wert und vielleicht einer neuen Funktion zu versehen.
WAS LÄSST SICH ALLES UPCYCLEN?
Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt: Aus nahezu allen gebrauchten Materialien und Gegenständen lässt sich etwas Neues zaubern. Je nach Projekt braucht es dazu handwerkliches Geschick, Freude am Basteln oder Nähen – und natürlich Fantasie. Ob Möbel, Kleidung, Verpackungen, alte Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände und sogar Baustoffe: Unzählige Objekte eignen sich fürs Upcycling. Der Reiz liegt darin, Alltagsgegenstände oder Bauteile, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben oder einfach nicht mehr gebraucht werden, in kreative und nützliche Produkte zu verwandeln.
Brockenhäuser und Flohmärkte sind wahre Schatztruhen für Upcycler.
MÖBEL, HOLZPALETTEN, MODE, VERPACKUNGEN
Alte Möbelstücke, die aus der Mode gekommen oder beschädigt sind, finden durch eine neue Farbe, das Austauschen von Griffen oder das Hinzufügen von Verzierungen neues Leben. Ein ausgedientes Bettgestell kann zur Bank umfunktioniert werden, und aus alten Holzpaletten entstehen Regale oder Gartenmöbel. Auch bei Bekleidung wird das Upcycling immer populärer: Alte Kleidungsstücke lassen sich neu zusammennähen, färben oder verzieren, sodass ein neues Unikat entsteht. Sogar Verpackungsmaterialien eignen sich fürs Upcycling. Alte Glasflaschen werden zu dekorativen Vasen, Blechdosen zu Pflanzgefässen, und aus Kartonresten können Kunstwerke oder Aufbewahrungsboxen entstehen. Auch bei Umbauten lassen sich gebrauchte Baumaterialien, wie Ziegelsteine oder Fensterrahmen, wiederverwenden. Es geht also in erster Linie um die Frage, wie man diesen Materialien und Gegenständen eine neue Funktion und Ästhetik geben kann.
INFO
ALTMÖBEL KAUFEN: ACHTEN SIE AUF FOLGENDE PUNKTE
Alte Möbel, die sich zum Auffrischen eignen, finden sich oft günstig in Brockenhäusern, auf Flohmärkten und online, zum Beispiel auf tutti.ch oder ricardo.ch. Damit sich der Reparaturaufwand in Grenzen hält, sollten Sie auf einige Punkte achten:
- Der Grundrahmen des Möbels sollte stabil sein. Die Verbindungen (z.B. Dübel, Leimstellen, Schrauben) sollten intakt sein oder sich leicht wieder befestigen lassen. Wackelige Möbel sind oft schwerer zu reparieren als gedacht.
- Schiefe Türen oder Schubladen können auf verzogene Materialien hinweisen, was oft schwer zu reparieren ist.
- Scharniere sollten noch gut funktionieren oder leicht ausgetauscht werden können.
- Oberflächliche Kratzer sind oft leicht zu schleifen oder neu zu lackieren. Tiefe Risse oder Splitterungen können jedoch aufwendig zu reparieren sein, besonders wenn sie in dekorativen oder schwer zugänglichen Bereichen des Möbels liegen.
- Wenn das Möbelstück furniert ist, überprüfen Sie, ob das Furnier sich ablöst oder Blasen wirft. Dies ist schwer zu reparieren, da ein neues Furnier aufwendig zu verlegen ist.
- Möbel aus Massivholz sind stabiler und lassen sich wesentlich besser reparieren oder bearbeiten als solche aus Spanplatte, die bei Feuchtigkeit zudem schnell aufquellen und schwer zu restaurieren sind.
- Falls das Möbel Metallteile wie Griffe oder Verzierungen hat, überprüfen Sie den Zustand. Verrostete Teile können oft ersetzt werden, das Entrosten kann hingegen mühsam sein.
- Achten Sie auf Verfärbungen oder Anzeichen von Feuchtigkeit, da diese auf Schimmel oder eine aufgequollene Struktur hinweisen können. Besonders bei Holzmöbeln ist dies ein kritischer Punkt.
- Riechen Sie am Möbelstück – muffiger Geruch kann auf Schimmel hinweisen, was schwer zu beseitigen ist.
- Wenn Teile wie Schlüssel, Griffe oder Füsse fehlen, kann es manchmal schwierig und teuer sein, Ersatzteile im passenden Stil zu finden. Hier sollten Sie abwägen, ob die fehlenden Teile durch ähnliche oder modernere Varianten ersetzt werden können.
VIELFÄLTIGE UPCYCLING-TECHNIKEN
Wer gerne näht, wird an textilen Upcycling-Projekten Freude haben: Alte Kleidungsstücke werden auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, Löcher und Risse werden gestopft oder überdeckt, und alte Jeans verwandeln sich in Taschen oder Kissenbezüge. Oft sind es ungewöhnliche Kombinationen, aus denen aus verschiedenen Materialien neue Kleidungsstücke oder Accessoires entstehen.
Ein neuer Anstrich, ein paar Verzierungen – schon wird aus dem alten Möbel ein einzigartiges Schmuckstück: Abgenutzte Möbelstücke lassen sich abschleifen, neu streichen und zum Beispiel mit neuen Schubladengriffen aufhübschen. Kreativ wird’s zum Beispiel mit Schablonen, Decoupage-Techniken oder Mosaiken. So wird aus einem Mauerblümchen ein individuelles Design-Stück. Möbel lassen sich nicht nur auffrischen, sondern auch umbauen und umfunktionieren. Aus einer alten Tür entsteht zum Beispiel eine Tischplatte, und Holzreste werden zu Lampen oder Dekoelementen umgestaltet. Alte Schubladen, die als Einzelteile nicht mehr brauchbar erscheinen, können durch Umfunktionierung als Regale oder Aufbewahrungsmodule genutzt werden. Hier sind nicht nur handwerkliche Fähigkeiten gefragt, sondern auch viel Einfallsreichtum.
Schleifpapier ist des Upcyclers bester Freund: Vor dem neuen Anstrich sollte Massivholz immer abgeschliffen werden.
MIT UPCYCLING GELD VERDIENEN, GEHT DAS?
Durch die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und individuellen Designstücken hat sich ein wachsender Markt für Upcycling-Produkte etabliert. Ob auf Flohmärkten, in speziellen Upcycling-Shops oder über Online-Plattformen wie Etsy – die Nachfrage nach kreativen, nachhaltig produzierten Artikeln wächst stetig. Wer Upcycling-Produkte verkaufen möchte, muss in erster Linie weniger das verwendete Material denn die eigene Arbeit verrechnen. Mit Upcycling viel Geld verdienen lässt sich in der Regel nicht – aber zumindest den persönlichen Aufwand kompensieren. Allerdings erfordert ein «Upcycling-Shop» gewisse Marketingkenntnisse. Sie helfen, potenzielle Käuferinnen und Käufer zu erreichen und von den Produkten zu begeistern.
Ohne soziale Medien geht heute fast nichts mehr: Plattformen wie Instagram eignen sich perfekt, um Upcycling-Projekte visuell ansprechend zu präsentieren. Eine eigene Website mit Online-Shop gehört heute dazu und braucht heute keine Programmierkenntnisse mehr – bei Anbietern wie jimdo.com oder wixx.com lassen sich Websites im Baukastensystem erstellen.
UPCYCLING PROJEKT: HOLZBRETT MIT AUFHÄNGER
Es müssen nicht immer Haken sein, um etwas aufzuhängen. Die dicken, knubbeligen Sektkorken machen sich auch ganz gut. Vor allem auf einem alten Stück Holz – vielleicht von einer alten Palette oder einer Weinkiste. Ideal für kleine Gartengeräte. Die Anleitung dazu finden Sie hier.

