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Neue Räume braucht das Haus

Was tun, wenn die Familie wächst und ein zusätzliches Zimmer hermuss? Räume in Haus lassen sich mit einigen Tricks und wenig Aufwand leicht unterteilen und umnutzen. Und wer mehr Platz braucht, weicht einfach auf ungenutzte Flächen im Keller oder unter dem Dach aus.

Text — Helen Weiss

 

In den letzten beiden Jahren hat sich die Wohnsituation für viele verändert: Der Stubentisch wurde mit Laptop und Drucker bestückt, die Bücher im Regal mussten Ordnern weichen und der Keller verwandelte sich in einen Sitzungsraum für Online-Meetings. Das Homeoffice macht das Daheim zum Büro, was nicht ideal ist. Damit die Arbeit nicht zu viel Platz beim Wohnen einnimmt, ist ein separater Büroraum wünschenswert. Doch woher Platz nehmen, wenn keiner vorhanden ist? Hier sind smarte Ideen gefragt – denn auch andere Veränderungen können eine Umnutzung der Räume im Haus bedingen: Werden die Kinder grösser, wollen sie etwa das Schlafzimmer mit Bruder oder Schwester nicht mehr teilen; eine Unterteilung der bestehenden Zimmer wird notwendig. Oder das neue Hobby braucht mehr Raum, weshalb der Ausbau eines Zimmers im Keller ansteht.

 

ALLE FLÄCHEN NUTZEN

Vielleicht wird man sich mit den Jahren auch bewusst, dass ein separates Esszimmer gar nicht notwendig ist und man viel lieber ein Heimkino hätte. Breite Flure oder Platz unter der Treppe eignen sich als Stauraum und lassen sich als praktische Garderobe nutzen. Wird der Estrich entrümpelt, entsteht Raum für ein zusätzliches Schlafzimmer – ob für Gäste oder eines der Kinder. Kellerräumlichkeiten oder die übergrosse Waschküche lassen sich ebenfalls umnutzen: Je nach Vorliebe in einen Fitness- oder Bastelraum. An grosszügige Schlafzimmer kann man dank einer zusätzlichen Wand ein Badezimmer angliedern. 

 

INFO

LICHT IN FENSTERLOSEN RÄUMEN

Wird der Keller zum Gäste- oder Arbeitszimmer, fehlt oft das natürliche Licht. Ein richtiges Lichtkonzept bietet hier Abhilfe und verschafft auch fensterlosen Badezimmern und Fluren eine wohnliche Atmosphäre. Der Schlüssel liegt darin, unterschiedliche Lichtquellen zu nutzen. Die richtige Ambientebeleuchtung ist hierbei besonders wichtig, um ein Gefühl von Helligkeit zu erzeugen. Eine grosse Deckenleuchte, die das Licht nicht nur nach unten richtet, sondern auch nach oben reflektiert, ersetzt das Tageslicht. Ergänzt wird die Deckenbeleuchtung mit Wandleuchten: Sie streuen das Licht zusätzlich über die Wand und Decke und betonen den Raum. Tischlampen und hohe, schlanke Stehlampen dienen als nützliche Arbeitsbeleuchtung und verleihen gleichzeitig Wärme und Atmosphäre in Ecken und Nischen.

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HELLE FARBEN WÄHLEN

Um Lieblingsmerkmale oder -bereiche des Raums hervorzuheben, verwendet man Akzentbeleuchtung: In Nischen, zwischen Balken, unter Schränken oder in Regalen platziert, erzeugen sie ein Gefühl von Tiefe. 

Auch Stil und Material der Leuchten können das Lichtempfinden in einem fensterlosen Raum beeinflussen. Um das verfügbare Licht zu maximieren, verwendet man am besten reflektierende, metallische Leuchten in Silber, Chrom oder Messing in Kombination mit Glas und hellen Lampenschirmen. Auch bei der Einrichtung sollte das Farbschema eher hell sein: Weiss, Creme, Beige und Pastell tragen dazu bei, das Licht zu reflektieren und den Raum offener zu machen. Böden aus hellem Parkett 
oder grosse, einfarbige Bodenplatten spiegeln dank ihrer glatten Oberfläche das Licht zusätzlich. 

Damit der Raum durch die glänzenden Materialien nicht zu kalt wirkt, sorgen Stoffsofa, viele Kissen und Teppiche für eine gemütliche Atmosphäre.


ZUSÄTZLICHE FENSTER EINBAUEN

Ob im Rahmen der Umnutzung mehr Platz geschaffen wird, Räume unterteilt oder vergrössert werden: Wichtig ist, dass bei der Planung klar ist, wofür der neu geschaffene Raum genutzt werden möchte, wie lange die zusätzliche Fläche benötigt wird und ob es Alternativen gibt. Denn soll die Garage in ein Gästeraum mit kleiner Küche und eigenem Badezimmer umfunktioniert werden, sind dafür weitreichendere Umbauarbeiten notwendig, als wenn einfach eine Werkbank darin platziert wird. Dasselbe gilt für den Estrich: Wenn die Kids im Spielzimmer keinen Hitzeschlag erleiden sollen, müssen eine Wärmedämmung sowie Aussenstoren an den Fenstern installiert werden. Wichtig: Bevor man sich im Keller oder Dachboden ans Werk macht, gilt es immer erst zu checken, ob für die geplanten Veränderungen eine Baubewilligung notwendig ist.

Soll im Dachboden ein Kunstatelier entstehen oder das ehemalige Kinderzimmer zum Nähraum umgestaltet werden, ist der Einbau von zusätzlichen Dachfenstern, Oberlichtern oder Fenstern unumgänglich. Zu beachten gilt, dass zusätzliche Fenster als «Augen der Fassade» die Architektur eines Hauses verändern. Ein Fenstereinbau ist zudem ein Eingriff in die Statik. Deshalb sollte grundsätzlich ein Architekturbüro das entsprechende Vorhaben planen. Falls aus architektonischen Gründen kein zusätzliches Fenster eingebaut werden kann, sorgen lichtdurchlässige Wandkonstruktionen und Glaseinsätze für mehr Helligkeit aus dem angrenzenden Raum, aus Lichtschächten oder Atrien. Reflektierende Wände erhöhen dabei den Wirkungsgrad.
 

CHECKLISTE

IDEEN FÜR FLEXIBLE RAUMTEILER

Ob City-Studio oder ein Haus mit fünf Schlafzimmern – manchmal gibt es gerade dort keine Wände, wo man sie unbedingt braucht. Doch statt gleich zur Maurerkelle zu greifen, setzt man besser auf flexible Lösungen:

  • Um etwa das Bett vom Schreibtisch zu trennen, eignet sich eine mobile Kleiderstange, die mit verschiedenen Hängepflanzen oder einem schönen Schal ausgestattet wird. 
     
  • Makramee ist wieder in: Wer künstlerisch geschickt ist, knüpft sich einen individuellen Wandbehang als Raumteiler gleich selbst.
     
  • Aus alten Fensterläden vom Flohmarkt lassen sich prima halbtransparente Raumteiler bauen. Werden sie seitlich mit einem Scharnier verbunden, lassen sie sich bei Bedarf sogar zusammenfalten.  
     
  • Für Vielleserinnen und -leser ist das Bücherregal der ideale Raumtrenner. Beachten sollte man hier, dass es genügend tief ist, damit es von beiden Seiten mit Büchern bestückt werden kann.
     
  • Flächenvorhänge sind bestens für eine leichte, optische Raumteilung geeignet. Sie sind günstig, lassen sich an der Decke mittels einer Schiene einfach aufhängen und je nach Bedarf flexibel verschieben.

 

AUS EINS MACH ZWEI

Werden aufgrund des Auszugs der erwachsenen Kinder nicht mehr so viele Zimmer benötigt, kann man zwei kleinere Zimmer zu einem grösseren Raum verbinden. Bevor die Wand eingerissen wird, gilt es auch hier abzuklären, ob die betreffende Mauer eine stützende Funktion hat. Oftmals ist es gar nicht notwendig, die ganze Wand einzureissen, ein breiter Durchgang reicht meist vollauf. Um die beiden Wohnräume zu verbinden, helfen optische Tricks: ähnliche Farben, Möbel oder Tapetenmuster sorgen für Einheit.

Moderne Häuser verfügen über grosse Wohnzimmer, die zwar schön sind, aber nicht immer mit der Lebensweise der Familie übereinstimmen. In diskrete Funktionsbereiche aufgeteilt, entstehen dann eine Leseecke, ein Yoga-Raum oder ein Musikzimmer – denn nicht alle können sich ein eigenes Zimmer für jede Funktion leisten. Für die Mehrzwecknutzung lassen sich zudem mit guter Raumplanung und mobilem Interieur problemlos Arbeitsplätze in Zimmern mit Wohn- und Schlaffunktion integrieren, ohne dass man den Computer direkt vor der Nase hat. Neben flexiblen Raumteilern hilft auch ein abweichender Farbton oder ein anderer Bodenbelag aus, um die eigentlich unsichtbare Funktionsgrenze im Zimmer deutlich zu machen. Abgrenzungen schaffen optische Ruhe und am Ende mehr Wohnlichkeit in einem Mehrzweckzimmer. Ansonsten lassen sich grosse Räume einfach mit einer Leichtbauwand in zwei separate Zimmer unterteilen. Sie wiegt nur einen Bruchteil einer gemauerten Wand und kann normalerweise ohne statische Prüfung eingebaut werden. Eine Wand in Leichtbauweise lässt sich mithilfe von Metall- oder Holzgerüsten und Gipskartonplatten einziehen – in einem grossen Schlafzimmer schafft man dadurch etwa Platz für einen begehbaren Kleiderschrank.