Pflegeleichte Materialien zuhause
Oberflächen abwischen, Toiletten schrubben und Teppiche saugen macht niemand besonders gerne. Klar, Pflege und Reinigung gehören zu den wiederkehrenden Haushalts-Pflichten. Indem man sich aber ein wartungs- armes und leicht zu reinigendes Zuhause entwirft, lässt sich der Aufwand in Grenzen halten.
Text — Helen Weiss
Schmutzränder in der Badewanne, Fingerabdrücke an den Küchenschränken, Kalkablagerungen auf den Armaturen und Schimmelpilz in den Kachelfugen: Aufwendig zu reinigende Oberflächen können für Hausfrauen und -männer zum wahren Alptraum werden. Sie sind ein steter Quell körperlicher Ertüchtigung mit Putzlappen und Feger, was nicht immer Freude macht.
Gerade Räume wie Küchen und Bäder, die mehrmals täglich intensiv genutzt werden, müssen pflegeleicht sein. Wer sich eine Küche einbauen lassen möchte, hat dank neuer Technologien eine breite Auswahl an Materialien, die sich leicht reinigen lassen. Für die Front ist etwa Aluminium zu empfehlen, das eloxiert wird: Durch einen elektromechanischen Prozess wird die Oberfläche des Metalls umgewandelt und weist daher eine hohe Schutzwirkung auf. Im Gegensatz zu Edelstahl sieht man Fingerabdrücke oder andere Verschmutzungen auf Aluminium kaum. Wobei Edelstahl dank Anti-Fingerprint-Lackierung auch bei Sauberkeitsfanatikern wieder beliebter wird. Pflegeleicht sind zudem auch alle mattlackierten oder gebeizten Holzoberflächen.
CHECKLISTE
OBERFLÄCHEN RICHTIG REINIGEN
Bei der Fleckenentfernung gilt grundsätzlich: Am besten handelt man sofort und beginnt mit der Bekämpfung des Flecks umgehend.
- LEDER: Flüssigkeiten und Fette können Sie nach dem Abtupfen mit einem feuchten Lappen abwischen. Ist der Fleck immer noch zu sehen, wird ein Lappen mit Kernseifenwasser angefeuchtet und die ganze Fläche leicht abgewischt. Reiben Sie auf keinen Fall.
- STOFF: Fettarme Flecken wie Blut, Ei oder Urin werden mit kaltem Kernseifenwasser in Strichrichtung abgetupft. Fett- und zuckerhaltige Flecken können Sie mit Waschbenzin oder Fleckenentferner nachbehandeln.
- GEWACHSTES ODER GEÖLTES HOLZ: Wasserränder, Kratzer oder Hitzeflecken können Sie mit einer Stahlwatte oder einem feinen Sandpapier abschleifen und danach ölen. Griffspuren an Stuhllehnen, Tisch- und Arbeitsplatten lassen sich oftmals einfach mit einem möglichst harten Radiergummi entfernen.
- LACKIERTES HOLZ: Kerzenwachs sollten Sie niemals mit einem scharfen Gegenstand entfernen. Besser ist es, den Fleck mit einem ölgetränkten Lappen wegzuwischen. Tinte, Kugelschreiberoder Filzstiftflecken verschwinden durch Make-up-Entferner auf Wasserbasis.
- MATTIERTES HOLZ: Kratzer lassen sich mit Holzkitt aus dem Fachhandel ausbessern. Die überschüssige Menge wird mit einem Tuch kräftig abgerieben.
ALLES AN EINEM STÜCK
Kacheln sind zwar ein schönes Gestaltungselement, die Fugen sind aber aufwendig zu reinigen. Besser ist ein fugenloser Spritzschutzbereich in der Küche. Früher wurde die fugenlose Rückwand aus Glas gefertigt, heute baut man auch auf Mass zugeschnittene Keramikpaneele ein: Die porenfreie Fläche ist hygienisch und entsprechend wartungsarm. Das gilt auch für Naturstein wie Granit und Kalkstein. Dank klugem Design kann die Reinigung heute auf das Minimum reduziert werden, neue Materialien ermöglichen zudem Postforming: Hier wird der Schichtstoff der Arbeitsplatte nahtlos über die Vorderkante verformt, wodurch eine fugenlose Optik entsteht. Und bei Corian-Abdeckungen ist das Becken im Guss integriert, was die Reinigung von Küche und Bad enorm erleichtert.
INFO
SELBSTREINIGENDES WIE IN DER NATUR
Die Laubblätter der Lotuspflanze, Kapuzinerkresse und des Silbermantels sehen auch nach einem starken Regenschauer noch immer tadellos aus. Die Wassertropfen perlen nahezu rückstandfrei ab, wobei sie beim Abrollen mögliche Schmutzpartikel von der Oberfläche aufnehmen. Diese Pflanzen reinigen sich somit selber, so genannte Nanopartikel weisen Wasser ab. Die Welt der Nanotechnologie ist winzig klein: Ein Nanometer ist im Verhältnis zu einem Millimeter in etwa so gross wie ein Fussball zur Erdkugel. In käuflichen Nanotechnologie-Produkten steht dieser «Lotus-Effekt» auch dem Menschen zur Verfügung: Behandelte Oberflächen von Fenstern, Häuserfassaden, Textilien, Kacheln, Holz oder Stein reinigen sich durch die Versiegelung wie von selbst. Während Fenster mit selbstreinigenden Gläsern direkt nach der Floatglasproduktion mit speziellen Schichten im Magnetronverfahren versehen werden, können Nano-Beschichtungen auch erst im Nachhinein appliziert werden, zum Beispiel bei Duschkabinen. Solche Oberflächen reinigen sich zwar nicht von selbst, doch die Kalkablagerungen verringern sich. Doch bei aller Euphorie ist auch Vorsicht geboten: Die möglichen Gefahren für Mensch und Umwelt bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien werden noch erforscht – hier fehlt es an Langzeiterfahrung.
WOHNLICHE ATMOSPHÄRE
Neben Corian eignen sich auch fürs Bad glattporige Keramikplatten wie Dekton (siehe Box zu Fassaden) als Abdeckung, die in grossen Formaten erhältlich sind. Empfehlenswert sind durchgefärbte Platten. Wenn einmal eine Ecke abbricht, sieht man die kaputte Stelle nicht sofort. Damit auch die Reinigung der Duschwand einfach von der Hand geht, ist eine Echtglas-Variante ratsam: Diese muss zwar regelmässig gereinigt werden, man bringt sie aber auch nach fünfzehn Jahren noch sauber. Kunstglas ist zwar kostengünstiger, benötigt aber im Gegensatz zu Echtglas einen Aluminiumrahmen, an dessen Ränder sich gerne Kalk ablagert. Am einfachsten und billigsten ist nach wie vor der Duschvorhang, den man einfach in die Waschmaschine stecken kann.
INTENSIVE BODENPFLEGE
Während sich Platten-, Laminat- und Parkettböden einfach mit Staubsauger und feuchtem Wischmopp reinigen lassen, ist Teppich um einiges pflegeintensiver. Ob nun fest verlegt oder als Vorleger – die Reinigung kann oft ganz schön nervenaufreibend sein. Wer trotzdem nicht auf einen Teppich verzichten möchte, sollte möglichst ein flachgewebtes Modell wählen, das deutlich pflegeleichter ist. Familien mit kreativen Kindern können zudem ihre Wände mit Latexfarbe streichen: Falls das Selbstporträt der Vierjährigen über dem Sofa doch nicht so gut gefällt, lassen sich die künstlerischen Ergüsse jederzeit bestens reinigen.
INFO
FEINPORIGE OBERFLÄCHEN FÜR DRAUSSEN
Holz, Zement, Stein oder Split – für Aussen- und Terrassenböden ist die Auswahl an Materialien fast ebenso gross wie im Innenbereich. Wer sich auch im Garten nicht dauernd mit Hochdruckreiniger und Abflammgerät beschäftigen möchte, sollte von Holzdielen und porösen Waschbeton- oder Steinplatten Abstand nehmen. Sie benötigen viel Pflege, da sie über eine offene Oberflächenstruktur verfügen, auf der sich bald Moose und Algen ansiedeln. Auch Kies wird bald von Beikräutern aller Art bevölkert und ist entsprechend pflegeintensiv. Zudem sind die Kiesel schwierig zu reinigen. Wie in Küche und Bad ist Feinkeramik auch im Aussenbereich beliebt, da die Platten äusserst wartungsarm sind. Feinsteinzeug verfügt über eine geringe Porosität: Es nimmt weniger Wasser auf, ist dadurch witterungsbeständig, langlebig und kratzfest. Zudem kann es fugenlos verlegt werden, was Schmutz weniger Möglichkeit gibt, sich festzusetzen. Das gilt auch für Zement, der über eine glatte Oberflächenstruktur verfügt. Dank seiner industriellen Optik passt er bestens in moderne Gärten.
WARTUNGSARME FASSADEN – DAS IST DIE BESTE WAHL
Wäre es nicht toll, eine schöne Fassade zu haben, die fast keine Pflege braucht? Nie mehr schleifen und streichen, nur ab und an reinigen – Materialien wie Beton, Steinwollfasern, Faserzement oder Kunststoffe gelten als beinahe wartungsfrei. Vor allem im Vergleich zu Materialien wie Holz, das als natürlicher Baustoff altert und abblättert – infolgedessen muss es alle paar Jahre abgeschliffen und neu gestrichen werden. Das ist nicht nur ein grosser Aufwand, sondern verursacht zusätzliche Kosten. Zwar ist bei der Auswahl die Optik meist ausschlaggebend, denn ein erster und bleibender Eindruck eines Gebäudes wird klar von der Fassade abhängig gemacht. Doch auch bei wartungsarmen Materialen gilt es genau hinzuschauen: Auf Kunststoff können sich etwa weisse Schleier oder Flecken bilden. Wählt man Kunststoffplatten mit Struktur, etwa einer Holzmaserung, kann es zu Ansammlungen von Schmutz in den Rillen kommen, was wiederum je nach Standort eine jährliche Reinigung erfordert. Auch beim pflegeleichten Faserzement ist eine regelmässige Pflege wichtig. Da er weicher als andere Fassadenverkleidungen ist, wird Schmutz stärker absorbiert. Wird er nicht gewartet, lassen sich gewisse Flecken nicht mehr vollständig entfernen. Eher neu ist Feinkeramik wie Dekton, das neben der Nutzung im Innensaubau auch vermehrt für Fassaden genutzt wird. Die hochentwickelte Mischung aus Mineralien, die ebenfalls in der neuesten Glas- und Porzellanherstellung wie auch bei Quarz-Arbeitsplatten zum Einsatz kommt, wird bei der Produktion mit über 25’000 Tonnen gepresst, so dass komplett geschlossene Platten entstehen, die minimal porös und äussert widerstandsfähig sind.

