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Kampf dem Staub!

Wer beim Einrichten einige Kniffs beachtet, hat später schneller staubgewischt. Sämtliche Staubfallen lassen sich aber nicht beseitigen.

Text — Thomas Bürgisser

 

Woche für Woche rennen wir mit dem Staubsauger durch das Haus, versuchen unter die Möbel zu gelangen, das letzte Staubkorn aus der hintersten Ecke hervorzuholen. Und wenn man endlich fertig ist, sollte man sich mit dem Staubwedel noch hinter die Regale machen. Für all jene, die gerne weniger putzen würden, zuerst die schlechte Nachricht: Ersatzlos streichen lässt sich die Reinigung wohl nicht. Staub – eine Mischung aus Hautschuppen, Haaren, Hausstaubmilben und deren Kot, Spinnweben, Feinstaub, Fasern und Fusseln von Kleidern und anderen Stoffen – kommt in jedem Haushalt vor. Mit einigen Kniffs kann man sich das Putzen aber zumindest erleichtern. «Dabei geht es immer um einen Kompromiss zwischen Ästhetik und Reinigungstauglichkeit», sagt Rafaela Bayard, selbständige Innenarchitektin und Raumgestalterin aus Glis.

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Hausstaubmilben-Allergiker sollten eher auf niederflorige Teppiche setzen und das Bettzeug mindestens wöchentlich waschen.

TEPPICH HILFT GEGEN STAUB

Anfangen, an den Staub zu denken, kann man bereits bei einem Hausbau oder -umbau. «Heute gehören in jedes Zimmer ein Internetanschluss sowie zwei bis drei Steckdosen», findet Rafaela Bayard. Dies verhindert später Kabelsalate mit Verlängerungskabeln und damit eine der mühsamsten Staubfallen. Aber auch die Wahl des Bodenbelages hat einen grossen Einfluss. «Je dunkler, unifarbiger und glatter ein Boden ist, desto besser sieht man den Staub darauf», erklärt Rafaela Bayard den Grundsatz. Ein weiterer Nachteil glatter Bodenbeläge wie Keramik, Stein oder Parkett: Hier wird der Staub bei jedem Luftzug aufgewirbelt und im Raum verteilt. Verstärkt wird der Effekt durch Bodenheizungen. Warme Luft steigt und mit ihr auch der Staub. Dadurch sammelt er sich verstärkt auf höher liegenden Flächen. Wer sich das Putzen erleichtern möchte, setzt deshalb auf Teppich – ausser man ist Allergiker. «Teppiche sind wahre Staubfänger, im positiven Sinne», sagt die Einrichtungsexpertin. Sie sammeln den Staub am Boden. Und einmal abgesaugt, ist der Staub vor allem bei niederflorigen Teppichen weg. Hier kommt jedoch bereits der erste Kompromiss zum Zuge: «In der Praxis ist Spannteppich heute nicht mehr so beliebt wie beispielsweise Parkett», so Rafaela Bayard. Sie rät aber zumindest zum einen oder anderen kleineren Teppich.

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ACHTUNG BEI HAUSSTAUBMILBEN-ALLERGIE

«Für Nicht-Allergiker sind die Hausstaubmilben nicht gefährlich. 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung reagiert jedoch allergisch mit Schnupfen oder geröteten Augen», erklärt Sereina de Zordo von aha! Allergiezentrum Schweiz. Auslöser ist der Kot der Hausstaubmilben, die einen Teil des Staubes ausmachen. Besonders wohl fühlen sich Hausstaubmilben im Warmen und bei einer Luftfeuchtigkeit von über 50 Prozent, zum Beispiel in Matratzen oder Bettdecken. «Idealerweise hüllt man diese als Allergiker sogar in einen milbenallergendichten Überzug.» Ausserdem sollten Betroffene vor allem auf hochflorige Teppiche verzichten, da diese schwierig zu reinigen sind. Im Kampf gegen die Hausstaubmilben helfen ausserdem wöchentliches Waschen des Bettzeugs, feucht anstatt trocken abstauben sowie Raumtemperaturen von höchstens 21 Grad. «Auch regelmässiges Stosslüften ist wichtig», so Sereina de Zordo.

DIE UNTEREN 60 ZENTIMETER SIND WICHTIG

Einen ähnlichen Effekt haben auch andere Stoffe, wie beispielsweise Vorhänge, Stoff-Sofas, Kissen usw. – sofern sie regelmässig gereinigt werden. Denn auch wenn man den Staub nicht sieht, vorhanden ist er trotzdem. Dabei klopft man Kissen, Decken oder auch Teppiche von Vorteil im Freien und nicht in der Wohnung aus. Und auch das richtige Design ist entscheidend. Vorhänge beispielsweise werden dann vom hilfreichen zum mühsamen Staubfänger, wenn sie am Boden aufliegen. Dies sorgt nicht nur für eine unschöne Staubansammlung, sondern erschwert auch die Reinigung. Auch bei der Möbelwahl gilt: Geschickte Auswahl verhindert Staubfallen.

Sideboards oder andere kleine Schränke, die direkt an der Wand befestigt werden, haben keine Füsse, an
denen sich Staubmäuse verfangen können. Gleichzeitig kann man die Fläche darunter einfacher reinigen. Wie auch unter WCs, die inzwischen meist an die Wand montiert werden. Bei der Wahl des Sofas kann man ebenfalls darauf achten, dass man selbst oder der Roboter gut darunter staubsaugen kann. «Um den Staub von den Regalen fernzuhalten, wären ausserdem Vitrinen oder verschliessbare Kommoden ideal», sagt Rafaela Bayard. So hat der Staub keine Chance, sich festzusetzen. Wenn alles geschlossen sei, könne die Einrichtung aber schnell sehr schwer wirken, weshalb die Expertin hier ebenfalls zu einem Mittelweg und einer offeneren Gestaltung rät. «Wichtig sind vor allem die unteren 60 Zentimeter eines Regals. Wenn diese geschlossen sind, erreicht man schon viel», sagt sie. Denn auf dieser Höhe gebe es durch das Aufwirbeln am meisten Staub. Ausserdem ist es ideal, wenn elektrische Geräte aus Kunststoff wie Fernseher oder Stereoanlage hinter einer Kommodentüre verschwinden. Oft sind solche Geräte nicht nur elektrostatisch aufgeladen und ziehen den Staub an, sie sind auch noch dunkel und erinnern einen damit stets an die Dringlichkeit des nächsten Staubwischens.

INFO

NICHT NUR EINRICHTUNG - AUCH VERHALTEN

Staub lässt sich zwar nicht ganz verhindern. Aber zumindest etwas reduzieren. Zum Beispiel mit einer höheren Luftfeuchtigkeit. Bei genug feuchtem Raumklima bindet sich der Staub besser und breitet sich weniger gut aus. Ebenso wichtig ist lüften: Drei- bis viermal pro Tag rund 10 Minuten Stosslüften reduziert den Staub enorm. Beim Putzen selbst sollte man dann zuerst staubsaugen und erst anschliessend staubwischen, da beim Saugen wieder Staub aufgewirbelt wird, der sich auf den Regalen festsetzt.

KEINE DEKORATION IN KÜCHEN UND BADEZIMMER

Eine der grössten Staubfallen überhaupt sind aber Dekorationen aller Art. Von aufgestellten Fotos über Glücksbringer bis hin zu schönen Vasen. «Aber möchte man wirklich in einer praktisch leeren Wohnung sitzen, um weniger Staubfallen zu haben?», fragt Rafaela Bayard. Sie empfiehlt auch hier, die richtige Mischung zu finden. Einzig aus der Küche und dem Badezimmer würde sie wenn möglich alles verbannen, das offen herumsteht. «Küchen, in denen Kochlöffel und Co. offen an einer Leiste über dem Herd hängen, sehen zwar super aus. Das sind aber echte Staubfallen», sagt sie. Denn durch Fett und Dampf bleibt Staub regelrecht auf Kochlöffeln, aber auch offen herumstehenden Flaschen und Behältern kleben. Gleiches gilt für das Badezimmer, wo Dampf oder Rückstände von Pflegeprodukten den Staub auf Oberflächen fixieren. «Deshalb empfehle ich zumindest in diesen zwei Bereichen geschlossene Kombinationen und möglichst wenig Dekoration.»