Clever rechnen, dann sanieren

Wenn es um Sanierungen geht, sprechen nur die wenigsten über die Kosten der einzelnen Schritte. Der Grund ist auch die enorme Bandbreite. Wir versuchen es trotzdem.

Text — Thomas Bürgisser

 

STANDARD ODER LUXUS

Hausbesitzer sind gut beraten, frühzeitig für Sanierungen etwas zur Seite zu legen. Aber: Wie viel eigentlich? Auch in diesem Artikel werden Sie keine genaue Zahlen erfahren. Zu abhängig sind die effektiven Kosten von der Bausubstanz eines Hauses. Und vom gewünschten Standard. Dies beginnt bereits bei den Fenstern. Dreifach-Isolierverglasung? Klar! Aber welcher Rahmen dazu? Kunststoff ist am günstigsten, Aluminium sowie Holz-Metall am teuersten. Entsprechend schwanken die Kosten zwischen 1500 und 3000 Franken pro Fenster, Extras wie erhöhter Schallschutz noch nicht eingerechnet.


DIE DÄMMUNG

Die Frage nach dem Material stellt sich auch bei der Dämmung. Hinzu kommt die Wahl der Dämmdicke und der Konstruktion. Für eine Kompaktfassade muss mit 200 bis 300 Franken pro Quadratmeter gerechnet werden, für Arbeit und Material. Aufwendiger ist die hinterlüftete Fassade, bei der jedoch die Feuchtigkeit besser entweichen kann. Die erhöhte Lebensdauer bezahlt man mit einem Preisaufschlag von rund 25 Prozent.

Foto: igaltbau.ch
Foto: igaltbau.ch

Aus dem Estrich kann ein wunderschöner Wohnraum entstehen. Zuvor aber muss das Dach gedämmt werden. Eine solche Dämmung kann von innen wie auch von aussen angebracht werden, wobei das Dämmen von innen meist günstiger kommt.

Günstiger ist die Dämmung von Kellerdecke oder Estrichboden. Hier ist man mit einem Kompaktsystem gut bedient, das Material muss weniger aushalten, 70 bis 150 Franken pro Quadratmeter sollten reichen. Soll der Estrich jedoch eines Tages als Wohnraum genutzt werden, gehts ans Dach – und damit wieder ins Geld. Bei einer Dämmung von innen kommen 150 bis 200 Franken pro Quadratmeter zusammen. Wird von aussen gedämmt und gleichzeitig auch noch das Dach saniert, sind Sie bald wieder bei 300 Franken pro Quadratmeter: Bei 160 Quadratmetern Dachfläche sind dies fast 50‘000 Franken.

Foto: ArTo/Fotolia.com

Wer das Dach saniert, sollte sich gut überlegen, ob die Gelegenheit nicht auch gleich günstig wäre für eine thermische Solaranlage oder für Photovoltaikmodule: Da das Gerüst bereits steht, lassen sich gesamthaft Kosten sparen.

DIE HAUSTECHNIK

Wenn man schon beim Dach ist, kann man sich auch noch eine thermische Solaranlage oder Photovoltaikmodule überlegen, mit Kosten ab 10’000 beziehungsweise bei Photovoltaik ab ungefähr 20‘000 Franken bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus. Allfällige Fördergelder noch nicht abgezogen. Ebenfalls auf erneuerbare Energie setzen Sie mit einer Wärmepumpe, zum Beispiel mit Erdsonde. Aufgrund aufwendiger Abklärungs-, Bohr- und Installationsarbeiten kommt diese aber schnell auf 50‘000 Franken oder mehr. Zum Vergleich: Bei einem Ersatz eines Öl-Brennwertkessels ist man mit 15‘000 Franken gut dabei, eine Gastherme bekommt man sogar bereits ab 4000 Franken.

 

DER EXPERTE

Kaspar Schläpfer*
 

«ALTE HÄUSER SANIEREN SIE BESSER IN ETAPPEN»


Kaspar Schläpfer, was würden Sie einem Hausbesitzer raten: Sanieren in Etappen oder gleich alles in einem?
Das hängt von vielen Faktoren ab. Eine Gesamtsanierung in einem Schritt kommt grundsätzlich rund 15 bis 20 Prozent günstiger, weil man gewisse Arbeiten wie etwa das Aufstellen eines Gerüstes nur einmal machen muss. Und man hat schneller alles durch, die Belastungen sind für Bewohner zwar höher, aber kürzer.

Und was spricht für eine Sanierung in Etappen?
Dass man das Kapital nur häppchenweise aufbringen muss und die Investitionen steuerlich über mehrere Jahre zum Abzug bringen kann. Bei besonders alten Gemäuern empfehlen wir von der «igaltbau» ausserdem ebenfalls, schrittweise vorzugehen, etwa bei der Dämmung. So kann nach jedem Schritt das veränderte Raumklima beurteilt werden.

Wenn in Etappen: Welche Aufteilung macht Sinn?
Hat man ein altes Haus gekauft und möchte einziehen, geht man zuerst Badezimmer und Küche an, quasi die Grundbedürfnisse, damit man einmal drin wohnen kann. Funktioniert aber schon alles wie gewollt, lohnt es sich, zuerst Dämmungen und Fenster anzuschauen, um allfälligen Energieverlusten vorzubeugen. Vor allem die Dämmung von Kellerdecke und Estrichboden schenken ein! Auf den neuen Energiebedarf stimmen Sie dann die Heizung ab. Und wann der Innenausbau kommt, ist freigestellt.

*Kaspar Schläpfer ist Architekt und Mitglied der «igaltbau», einer Interessensgemeinschaft von Spezialisten für die Sanierung und Restaurierung von Altbauten.
 

Vorher

Nachher

SANIERUNG VON KÜCHE UND BADEZIMMER

Beim Innenausbau ist die Spannbreite des Ausbaustandards noch grösser. Eine neue Küche kann 18’000 bis 35‘000 Franken kosten – nach oben sind aber keine Grenzen gesetzt. Das Gleiche gilt im Badezimmer. Wenn Sie jedoch auf die Luxusbadewanne mit goldenen Armaturen verzichten können, kostet die Sanierung wohl zwischen 15’000 und 25’000 Franken, inklusive Plattenleger. Wichtig: Vergessen Sie nicht allfällige Kosten für die Sanierung von Zu- oder Ableitungen! Hier können gut und gerne nochmals 8000 bis 12’000 Franken dazukommen. Und beim Elektrischen eventuell gleich nochmals 2000 bis 4000 Franken.

Vorher

Foto: igaltbau.ch

Nachher

Foto: igaltbau.ch
Foto: igaltbau.ch
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DER NEUE ANSTRICH

Bleiben noch Böden und Malerarbeiten. Bei letzteren sollten Sie – ohne Extravaganzen – mit 15 bis 20 Franken pro Quadratmeter durchkommen. Beim Bodenbelag haben Sie die Wahl: Günstigen Laminat erhalten Sie bereits ab 10 Franken pro Quadratmeter, Keramikplatten beginnen etwa bei 30 Franken, Parkett ungefähr bei 80 Franken. Hinzu kommen jeweils noch Verlegearbeiten von 40 bis 60 Franken pro Quadratmeter. Beim Bodenmaterial sind Preisangaben jedoch wirklich mit Vorsicht zu geniessen, nach oben wie unten. Zu gross ist die Vielfalt, zu unterschiedlich sind die Qualitäten. Entsprechend gilt hier wie bei jedem anderen Bauschritt: Fragen Sie früh zum Beispiel einen Architekten um Rat. Dieser erstellt auch gerne einen Sanierungsplan. Nicht nur für eine genauere Kostenschätzung, sondern auch für die richtige Reihenfolge.

CHECKLISTE

DAS GIBT ES BEI EINER SANIERUNG ZU BEDENKEN

Bei gewissen Bauteilen schwanken die Kosten auch je nach Lieferant enorm. So lohnt es sich beispielsweise bei Fenstern, aber auch bei Bodenbelägen, mehrere Offerten einzuholen

Denken Sie bei einer Sanierung in einem Schritt daran, dass dann Ihr Eigenheim unter Umständen eine Zeitlang nicht bewohnbar ist und Sie eine Ausweichmöglichkeit brauchen, die ebenfalls kosten kann.

Investitionen in die Gebäudehülle bringen auch Energieersparnis und sorgen für tiefere Nebenkosten. Hier kann zum Beispiel ein GEAK-Gebäudeenergieausweis oder der Rat eines Energieberaters nützlich sein, um Kosten und Ersparnisse zu eruieren.

Sanieren in Etappen kann einen steuerlichen Vorteil bringen: Wertvermehrende Kosten lassen sich jedoch nicht vom Einkommen abziehen. Klären Sie deshalb im Voraus genau ab, welche Kosten in Ihrem Kanton wirklich abzugsfähig sind.

Bei besonders alten Gebäuden braucht es bei der Sanierung oft spezielle Kenntnisse und manchmal auch pragmatische Lösungen. Deshalb ist es von Vorteil, mit entsprechenden Experten zusammenzuarbeiten, etwa aus der «Interessengemeinschaft altbau» (www.igaltbau.ch).