Wintergarten

Zeit, über einen Wintergarten nachzudenken! Das ist kein Scherz mitten im Sommer. Denn es dauert seine Zeit, bis ein Wintergarten gebaut ist.

Text — Thomas Bürgisser

 

WAS DARF ES SEIN?

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie von einem Wintergarten träumen? Es könnte ein Raum sein, in dem Sie auch im Winter geschützt hinter Glas den Garten geniessen. Oder der ideale Ort, um den bereits kühlen Herbstabend ausklingen zu lassen. Vielleicht wollen Sie aber auch nur einen Raum, in dem Ihre Palmen und Co. überwintern können. Und in den Sie während des Sommergewitters flüchten. Der Entscheid für einen dieser Wintergarten- Modelle sollte immer am Anfang der Planung stehen. Denn davon hängt später alles ab: Bauweise, Dämmung und Beschattung sowie eventuell eine Heizung. Und natürlich auch das Budget, bei dem ab 15‘000 Franken aufwärts praktisch alles möglich ist.

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Foto: U. J. Alexander/AdobeStock
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Ein Wintergarten wirkt besonders harmonisch, wenn er sich der Architektur des bestehenden Hauses anpasst.

MIT BAUSATZ ODER FACHMANN?

Geht es vor allem um das Überwintern von Pflanzen, reicht ein unbeheizter Kalt-Wintergarten, angebaut ans Haus, quasi anstelle der bisherigen Terrasse. Die einfachsten Modelle dazu gibt es sogar als Bausatz. In Anbetracht dessen, dass es nicht einfach ein Gewächshaus, sondern etwas mit Bestand und Fundament werden soll, kann ein Fachmann aber durchaus auch hier von Nutzen sein. Zeit und damit Kosten spart, wer sich bereits im Voraus ein paar Gedanken macht. Zur Grösse beispielsweise: Damit auch im Kalt-Wintergarten Tisch & Co. Platz haben, sollte man mindestens 2.5 Meter Tiefe einrechnen. Machen Sie sich auch Gedanken zur Architektur. Ein Rechteck, eher oval, mit Glasdach oder sogar ein Ziegeldach? Besonders harmonisch wird es, wenn sich der Wintergarten architektonisch dem bestehenden Haus anpasst. Aber erlaubt ist, was gefällt: Inspiration liefern Websites oder Prospekte von Herstellern.

DER EXPERTE

Dirk Geigis,
Somfy Schweiz

ENERGIEEINSPARUNG UND KOMFORTGEWINN DANK AUTOMATISIERUNG

 

«Damit der Wintergarten trotz hohem Anteil an Verglasung nicht zum Treibhaus wird, braucht es eine gute Beschattung sowie Belüftung. Beide aber erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie auch richtig bedient werden. Nicht einfach, vor allem, wenn man zwischendurch nicht zuhause ist, Pflanzen & Co. aber trotzdem nicht leiden sollen. Deshalb wird zu einem Wintergarten heute meist auch eine Klimasteuerung installiert. Dabei werden im Raum selbst über Sensoren zum Beispiel Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit gemessen. Je nach programmierten Schwellenwerten schaltet die Automatik dann den Heizkörper ein oder aus, öffnet oder schliesst Fenster und lässt die Beschattung rauf oder runter. Idealerweise wird dies kombiniert mit einem Regen- und Windsensor im Freien. Solche Klimasteuerungen lassen sich relativ einfach auch nachrüsten, da sie über Funk vernetzt sind. Einzig der Antrieb etwa bei Fenstern oder der Beschattung benötigt Strom. Eine Steuerung bekommt man für rund 1500 Franken, die Installation kostet nochmals etwa gleich viel. Dafür spart man jedoch 25 bis 30 Prozent an Energie, wenn beispielsweise die Heizung rechtzeitig ausschaltet und die Kraft der Sonne genutzt wird.»

BEHEIZTER WINTERGARTEN?

Natürlich lässt sich ein Kalt-Wintergarten auch im Herbst oder gar im Winter geniessen: Quasi im Treibhaus sitzend. Sofern die Sonne scheint. Wer aber sprichwörtlich einen Wintergarten möchte, also einen Quasi-Garten zur Benützung im Winter, geht mit einem temperierten oder sogar geheizten Wintergarten den sichereren Weg. Das kann bis zu einem Mauerdurchbruch für eine Wohnraumerweiterung gehen. Solche tiefgreifenden Bauarbeiten können dann auch gleich dazu genutzt werden, die Bodenheizung weiterzuziehen. Bleibt der Wintergarten aber klar abgetrennt vom bestehenden Hausteil, ist häufig ein Heizkörper einfacher realisierbar. Der grosse Vorteil von Heizkörpern: Sie reagieren schneller als Bodenheizungen. Ein Pluspunkt, der spätestens bei sonnigen Herbst- oder Wintertagen zum Tragen kommt. Sofern ein Raumthermostat vorhanden ist, der optimalerweise gleich Teil einer automatisierten Klimasteuerung ist.

INFO

BAUBEWILLIGUNG WINTERGARTEN

Wintergärten sind bewilligungspflichtig, die Verfahren lassen sich jedoch zum Teil verkürzen, zum Beispiel, wenn man schon von Beginn an die Einwilligung des Nachbarn mitbringt. Und das ist nicht die einzige Vorschrift, die es einzuhalten gibt. So müssen voll- wie auch teilweise beheizte Wintergärten zum Beispiel zur Ausnützungsziffer zugezählt werden – sie werden als normale Anbauten behandelt, auch wenn sie gegen das Haus hin nicht geöffnet sind.

Einzig bei unbeheizten Wintergärten kann es Ausnahmen geben. Bei vollbeheizten Wintergärten gelten ausserdem auch Wärmedämmvorschriften, bei Fenstern je nach aktueller kantonaler Gesetzeslage zum Beispiel ein U-Wert von 1.0 W/m2K bis 1.3 W/m2K. Nicht davon betroffen sind in der Regel temperierte
(bis 10 Grad) sowie unbeheizte Wintergärten. So oder so gilt: Fragen Sie immer bei Ihrer Gemeinde nach den aktuellen Vorschriften, bezüglich Baugenehmigung sowie Dämmvorschriften.

AUCH IM SOMMER NUTZBAR?

Ebenfalls automatisiert sollte die Beschattung sein: Denn wo viel Glas ist, ist bei Sonnenschein auch viel
Wärme. Idealerweise ist die Beschattung immer ausserhalb des Glases angebracht – ansonsten ist die Wärme drin, bevor sie abgehalten wird. Seitlich wählt man am besten Lamellenstoren. Diese können je nach Sonnenstand variiert werden und lassen bei hochstehender Sonne auch einmal etwas Tageslicht rein. Für das Dach wiederum kann es auch schlicht eine Stoffmarkise sein, wird der Himmel doch meist erst in der sternenklaren Nacht spannend. Mit einer solch durchdachten Beschattung kann der Wintergarten auch im Sommer genutzt werden. Erst recht, wenn sich Front- und Seitenfenster einfach zurückschieben lassen – und der Wintergarten zur gemütlichen Terrasse wird.

CHECKLISTE

DAS GILT ES, BEIM BAU EINES WINTERGARTENS ZU BEDENKEN:

  • Je nachdem, wie Sie Ihren Wintergarten ausrichten, haben Sie eher am Morgen oder am Abend Sonne. Denken Sie bei der Planung daran.
  • Nebst Glas kommen beim Wintergarten meist Kunststoff, Aluminium, Holz oder eine
    Kombination davon zum Einsatz. Holz ist dabei zwar am teuersten, dämmt dafür aber am
    besten.
  • Wählen Sie die Materialien auch bei der Inneneinrichtung mit Bedacht: Kunststoffböden
    könnten bei so viel Licht schnell an Qualität verlieren. Optimaler ist ein Keramikboden, der
    übrigens auch eine allfällige Hitzeentwicklung etwas abschwächt.
  • Terrassentüren sind einer der beliebtesten Einstiege für Einbrecher. Deshalb beim Wintergarten
    unbedingt an den Einbruchschutz denken, sowohl beim Fensterglas als auch bei
    Verschlüssen von Türen und Fenstern.
  • Vor allem das Glasdach ist bezüglich Reinigung oft eine Herausforderung. Grundsätzlich
    reichen natürlich eine (stabil stehende!) Leiter, ein Wasserschlauch und eine Teleskop-
    Waschbürste. Bei komplizierten Konstruktionen aber kann durchaus auch professionelle
    Hilfe nötig werden, mit entsprechend regelmässigen Kosten.