Heizen mit Schwedenöfen, Cheminées & Co.

In der Übergangszeit mit Holz heizen, ist umweltfreundlich, günstig und sorgt für eine heimelige Atmosphäre. Doch so einfach, wie es klingt, ist das nicht.

Text — Raphael Hegglin

 

Im Frühling und im Herbst benötigt ein Haus oft wenig Heizwärme, um auf Temperatur zu bleiben. Wer einen Kaminofen oder ein Cheminée besitzt, kann in dieser Zeit die Heizung ausschalten und aufs Holzfeuer umsteigen. Das hat mehrere Vorteile: Heizen mit Holz ist nahezu klimaneutral und damit besonders umweltfreundlich.

Auch Kosten lassen sich sparen, da viele Heizungen für hohe Heizleistungen ausgelegt sind und in der Übergangszeit nicht optimal laufen. Zudem kann sich die Lebensdauer einer Heizung erhöhen, wenn sie in dieser Zeit abgestellt bleibt – und übers Jahr gerechnet also weniger Arbeitsstunden aufweist.

 

ZUVIEL WÄRME AUF EINMAL

Schon ein paar brennende Holzscheite setzen viel Wärme frei: Die Faustregel besagt, dass ein brennendes Holzscheit rund 3000 Watt Wärmeenergie abgibt. Geht man davon aus,
dass normalerweise etwa drei bis vier Holzscheite brennen, dann hat ein Schwedenofen oder ein Cheminée also eine durchschnittliche Leistung von über 12'000 Watt. Und das wird oft zum Problem: Für ein gut gedämmtes Haus mit 120 m2 beheizter Fläche reicht selbst an kalten Wintertagen eine Heizleistung von 2000 Watt.

Selbst in schlecht gedämmten Gebäuden sind drei brennende Holzscheite in der Übergangszeit oft zu viel des Guten. Und zwar, weil sie ihre Energie zu schnell in den Raum abgeben. Der Raum überhitzt dann und man muss lüften, um die überschüssige Wärme abzuführen. Ein prasselndes Feuer im Cheminée oder Schwedenofen und dazu halbgeöffnete Fenster. Leider ein häufiges Bild …

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SO VIEL HEIZLEISTUNG IST NÖTIG

Wieviel Leistung ein Holzofen haben muss, hängt nicht nur von der Grösse des Hauses, sondern auch von seinen Wärmedämmwerten ab. Trotzdem lässt sich mit einer einfachen Faustregel der ungefähre Wärmebedarf abschätzen: Ein gut gedämmtes Haus benötigt pro Quadratmeter Wohnfläche eine Ofenleistung von etwa 0,1 kW, um auch im Winter ausreichend beheizt zu sein. In der Übergangszeit reicht weniger. Ein kleiner Ofen mit 7 bis 8 kW Heizleistung genügt also oft für die Übergangszeit.


SPEICHERMASSE BRAUCHT ES

Doch mit Holzöfen und Cheminées lässt sich durchaus effizient heizen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Speichermasse. Diese nimmt die Wärme auf und gibt sie langsam – über Stunden – wieder ab. Dieses Prinzip ist bestens von Kachelöfen bekannt. Aber auch Cheminées und Zimmeröfen lassen sich mit einigen hundert Kilogramm Speichermasse ausrüsten. Bei Öfen mit Speckstein oder anderem Naturstein erfüllt die Speichermasse zudem dekorative Zwecke, bei Cheminées ist sie meist versteckt und besteht zum Beispiel aus Schamottesteinen oder einer massiven Betonmauer. Traditionelle Schwedenöfen hingegen bestehen oft lediglich aus einer Stahl oder Gusseisenwand, die kaum Wärme speichert, diese aber schnell abstrahlt. Das ist durchaus gewollt, denn diese Öfen sind eigentlich für schlecht gedämmte Hütten gedacht. Da durch ihre Wände viele Wärme verloren geht, muss ein Ofen viel Hitze abstrahlen – der Innenraum überhitzt trotzdem nicht. Für einen modernen Wohnraum ist das Konzept Schwedenofen allerdings nicht optimal – jedenfalls nicht, wenn er über keine ausreichende Speichermasse verfügt.
 

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HOLZÖFEN UND FEINSTAUB

Moderne Holzöfen und Cheminées produzieren nur noch geringe Mengen an Feinstaub. Dazu müssen sie verschiedenen Normen und gesetzliche Auflagen erfüllen. Je nach Ofentyp ist die DIN 18891 oder die EN 13240 einzuhalten. Empfehlenswert ist zudem das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz. Mit diesem Zertifikat ausgezeichnete Holzfeuerungen erfüllen strenge lufthygienische, energetische und sicherheitstechnische Anforderungen. Wer sein altes Cheminée saniert, kann es mittels Heizkassette den heute geltenden Standards anpassen und wesentlich sauberer machen. www.holzenergie.ch


ANPASSBARE HEIZLEISTUNG

Pelletöfen kommen auch ohne Speichermasse aus und überhitzen Innenräume trotzdem nicht. Ihr Heizprinzip entspricht jenem von Wärmepumpen und fossilen Heizungen: Ist Wärme erforderlich, arbeitet die Heizung, ist die gewünschte Raumtemperatur erreicht, drosselt sie ihre Leistung oder stellt ganz ab.

Möglich wird das bei Pelletöfen durch den Brennstoff, die Holzpellets. Diese lassen sich mittels Förderschnecke aus einem Depot kontrolliert dosieren. Handelsübliche Pelletöfen verbrennen je nach erforderlicher Heizwärme zwischen einem halben und mehreren Kilogramm Pellets pro Stunde. Ihre Heizleistung lässt sich also variieren und den Bedürfnissen anpassen. Auch schalten Pelletöfen automatisch ein und wieder aus, da sie Pellets automatisch entzünden (elektrisch).

Puristen werden vermutlich trotz der genannten Vorteile zu einem herkömmlichen Holzofen tendieren. Denn beim Pelletofen ist das Flammenbild unruhig, auch hört man Geräusche von Gebläse und Förderschnecke, wenn sie laufen. Und: Für Pelletöfen ist ein Stromanschluss erforderlich. Es haben also beide, Holzofen und Pelletofen, ihre Vor- und Nachteile.