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Ökologischer Vergleich der Verkehrsmittel

Wie sich ein Weg möglichst umweltfreundlich zurücklegen lässt, hängt nicht nur vom Verkehrsmittel ab.

Text — Raphael Hegglin

 

Von Bern nach Paris sind es knapp 600 Kilometer. Ein durchschnittliches Auto mit Benzinmotor verbraucht auf dieser Strecke etwa 30 Liter Benzin und stösst etwa 70 Kilogramm CO2 aus. Würde man die Strecke zu Fuss zurücklegen, so müsste man – um den zusätzlichen Kalorienbedarf zu decken – zum Beispiel rund 35 Pizzas essen. Denn durch das Laufen erhöht sich der Kalorienverbrauch, wodurch die nach Paris wandernde Person mehr Nahrung verbrennt und mehr CO2 ausstösst.

Dieses CO2 ist nicht unproblematisch, nur weil man läuft. Denn um Nahrung herzustellen, zu transportieren und zuzubereiten, ist ebenfalls Energie notwendig – die nicht vollständig erneuerbar ist. Trotzdem: Auch wenn dies berücksichtigt wird, ist es wesentlich umweltfreundlicher, nach Paris zu laufen, als mit dem Auto hinzufahren. Oder etwa doch nicht?

 

WER REIST, VERBRAUCHT ENERGIE

Mit dem Auto beträgt die reine Fahrzeit nach Paris rund 6 Stunden, zu Fuss etwa 12 Tage. Was 11 zusätzliche Übernachtungen notwendig macht. Erfolgen diese in einem Hotel, muss der dadurch verursachte CO2-Ausstoss für dessen Betrieb ebenfalls berücksichtigt werden. Zugegeben: Auch wenn wir all dies in die Waagschale werfen, wird das Auto mehr CO2 ausstossen. Doch das nicht ganz ernst zu nehmende Beispiel führt vor Augen, dass Mobilität nie ohne Energieaufwand und kaum ohne CO2-Ausstoss möglich ist.


AUSLASTUNG ENTSCHEIDEND

Wer verschiedene Verkehrsmittel miteinander vergleicht, darf nicht nur auf den Antrieb fokussieren. Ebenso entscheidend ist der Auslastungsgrad. Die Vergleiche verschiedener Verkehrsmittel basieren meist auf der (realistischen) Annahme, dass ein Auto durchschnittlich mit 1,5 Personen besetzt und damit zu etwa 30 % ausgelastet ist. Beim Flugzeug geht man davon aus, dass es im Schnitt etwa zu 70 % besetzt ist und die Bahn etwa zu 60 bis 70 %. Anhand dieser Zahlen lässt sich errechnen, wieviel CO2-Ausstoss eine Person mit dem Auto, der Bahn oder mit dem Flugzeug tatsächlich ausstösst. Pro Kilometer sind es mit einem heute üblichen Auto etwa 140 g CO2, mit der Bahn etwa 1 g CO2 und mit dem Flugzeug etwa 230 g CO2.

INFO


ÖKOBILANZ IST NICHT GLEICH CO2-AUSSTOSS

Auf den Verbrauch bezogen, schneiden unter den Autos jene mit Elektroantrieb am besten ab. Für die Ökobilanz ist allerdings ebenso entscheidend, wie umweltfreundlich und energieaufwendig die Produktion ist und wie viele Ressourcen dazu erforderlich sind. Sollen Elektroautos wirklich umweltfreundlich werden, muss deren Recyclingquote (insbesondere der Batterien) daher auf über 80 % steigen.


AUCH DIE INFRASTRUKTUR ZÄHLT

Hinzu kommt der CO2-Ausstoss, den Bau und Unterhalt der für das Verkehrsmittel nötigen Infrastruktur verursachen. Beim Auto betrifft dies Strasse und Garagenplatz, bei der Bahn Schienen- und Bahnhofsbau und beim Flugzeug das Erstellen und Unterhalten des Flughafens. Ebenfalls muss für alle Verkehrsmittel Treibstoff bzw. Strom erzeugt und bereitgestellt werden. Das bewirkt einen zusätzlichen CO2-Ausstoss.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren beträgt der CO2-Ausstoss (CO2-Äquivalente) pro Personenkilometer beim Flugzeug 241 g, beim Auto rund 200 g und bei der Schweizer Bahn 7 g.

 

WAS LÄSST SICH DAGEGEN TUN?

Bezogen auf den CO2-Ausstoss, hat der Individualverkehr verglichen mit dem Öffentlichen Verkehr schlechte Karten. Auf Auto und Flugreisen können und wollen viele trotzdem nicht verzichten. Es stellt sich daher die Frage, wie sich der Individualverkehr umweltverträglicher machen lässt.

Eine wichtige Stellschraube liegt am Nutzungsverhalten. Fährt eine fünfköpfige Familie mit einem herkömmlichen Auto in die Ferien, reduziert sich der CO2-Ausstoss, weil alle Plätze besetzt sind, auf 63 g CO2 pro Kilometer und Person. Je besser ein Auto – oder allgemein ein Verkehrsmittel – also dem persönlichen Nutzungsverhalten angepasst ist, desto besser fällt seine Ökobilanz aus.

Oder anders ausgedrückt: Bevor man sich über Antrieb und Verbrauch eines Autos Gedanken macht, sollte man sich fragen, wie gross es sein muss, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Braucht es den siebenplätzigen Familien-Van tatsächlich, weil man einmal pro Jahr damit nach Südfrankreich fährt? Oder lässt sich ein leichter und kompakter Fünfplätzer nicht ebenso gut ein- bis zweimal pro Jahr mittels Dachbox oder Anhänger ferientauglich machen?


HOFFNUNG ELEKTROANTRIEB

Neben dem Nutzungsverhalten ist der Energieverbrauch und der damit verbundene CO2-Ausstos eines Fahrzeugs entscheidend dafür, wie gut es punkto Ökologie abschneidet. Die Industrie ist seit Jahren bemüht, Flugzeuge und Autos energieeffizienter zu machen. Das Elektroauto ist daher in aller Munde. Und punkto CO2-Ausstoss ist es tatsächlich kaum schlagbar: Voll besetzt, beträgt dieser pro Personenkilometer (mit Ökostrom betankt) noch 26 g CO2 – bei einem heute gängigen Modell.

Und beim Elektrofahrzeug ist das Sparpotenzial weiterhin gross, wie das Beispiel Lightyear One zeigt. Dieses Elektrofahrzeug soll bald auf den Markt kommen. Es hat ein Gewicht von ca. 1300 kg und bietet 5 Personen Platz. Sein Verbrauch soll unter optimalen Bedingungen nur 83 Wh Strom pro Kilometer betragen. Das entspräche einem Ausstoss von etwa 20 g CO2-Äquivalenten pro Personenkilometer
(voll besetzt). Wobei der Hauptanteil davon der Strassenbau verursacht. Isoliert betrachtet, schneidet dieses Fahrzeug etwa gleich gut ab wie die Bahn.