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Baustoff Holz

Holz als Baustoff für Gebäude und Innenausbau boomt. Welche Vor- und Nachteile hat dieses natürliche Material – und wie nachhaltig ist Holz wirklich?

Text — Tanja Seufert

 

BAUEN MIT HOLZ: MEHR ALS FASSADEN

Über 100 Jahre nach der Erfindung des Stahlbetons – der vom Franzosen Joseph Monier Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde – ist Holz im Bau wieder auf dem Vormarsch. Nicht nur Dachstühle und Fassadenverkleidungen sind aus Holz, sondern teilweise die ganze Tragekonstruktion von Gebäuden: Die sogenannte Holzbauweise ist eine traditionelle Art, Häuser zu bauen. Dabei gibt es unterschiedliche Bauweisen – am wohl offensichtlichsten ist der Blockbau, der vor allem in Nordamerika weit verbreitet war (und in gewissen Regionen immer noch ist). Moderne Holzhäuser sind weitaus weniger rustikal gebaut. Es gibt verschiedenste Arten, ein Gebäude teilweise oder vollständig aus Holz zu bauen, vom Brettstapelbau bis zum Holz+rahmenbau. Je nach Bauweise werden Holzbauten zusätzlich mit einer Dämmung versehen, zum Beispiel mit Steinwollplatten. Auch für Anbauten an bestehende Häuser eignet sich die Holzbauweise. Doch wo liegen eigentlich die Vorteile einer Holzbauweise?

Foto: Lignum - Holzwirtschaft Schweiz
Foto: Lignum - Holzwirtschaft Schweiz
Foto: Lignum - Holzwirtschaft Schweiz

Holzfassaden gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, von farbig bis naturbelassen.


UMWELTFREUNDLICHES MATERIAL

Nichts ist so gemütlich wie ein Holzhaus – auch in einer modernen Variante. Neben der Optik überzeugt das Raumklima, das vor allem bei der traditionellen, schadstofffreien Bauweise ein grosser Pluspunkt ist. Bei dieser kommen nur Holzleim, Nägel und Holzdübel zum Einsatz. Holzbauten sind zudem besonders umweltfreundlich, denn sie verbrauchen vergleichsweise wenige – und vor allem nachwachsende – Ressourcen. Im Holzbau steckt daher wenig graue Energie, also Energie, die für die Gewinnung, den Transport und die Lagerung einer Ressource verbraucht wird. Voraussetzung dafür ist, dass einheimisches oder zumindest europäisches Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft verwendet wird.

Die nachhaltigen Eigenschaften von Holz sind der Hauptgrund, warum Holz als Baustoff einen solchen Boom erlebt. So werden heute nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch grössere Gebäude in Holzbauweise erstellt. In der «Lokstadt» Winterthur zum Beispiel ist das höchste Holz-Wohnhaus der Welt geplant. Über 100 Meter hoch soll das Wohngebäude dereinst werden. Auch in Zug ist ein Hochhaus in Holzbauweise in Bau: Der 80 Meter hohe Wohnturm «Pi» soll 2024 fertig gebaut sein.

INFO

NACHHALTIGE WALDBEWIRTSCHAFTUNG

Mit der Waldpolitik 2020 bringt der Bund die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald unter einen Hut. So stellt er unter anderen eine nachhaltige Bewirtschaftung sicher. Mit einheimischen Holz können Konsumentinnen und Konsumenten sicher sein, dass es aus verantwortungsbewusster Waldbewirtschaftung kommt. Zudem existieren mehrere Labels für Holz aus nachhaltiger Produktion:

  • Schweizer Holz: Holz aus einheimischen Wäldern und Produktionsbetrieben
  • Forest Stewardship Council (FSC): Internationales Label für eine umweltfreundliche und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung
  • Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC): Global bedeutsames Zertifikat des Holzhandel


BRANDHEMMENDE KONSTRUKTIONSWEISE

Doch wie steht es um die Brandgefahr in einem Holzhaus? Auch Gebäude in Holzbauweise müssen die Schweizerischen Brandschutzvorschriften BSV 2015 der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF erfüllen. Feuer lässt sich durch die Konstruktionsweise in Schach halten. Auch Dämmmaterialien wie Steinwolle haben eine feuerhemmende Wirkung. Die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft Lignum schreibt: «Es ist nachgewiesen, dass die Brennbarkeit eines Bau-
stoffes nicht das massgebende Kriterium ist, sondern die brandschutztechnisch korrekte Ausführung einer Konstruktion einen grösseren Einfluss auf das Brandverhalten hat.» Deshalb werden sogar – wie die Beispiele in Winterthur und Zug zeigen – Hochhäuser aus Holz genehmigt. Jedes professionelle Holzbauprojekt wird so ausgeführt, dass es den Brandschutzvorschriften entspricht – Bauherren müssen sich diesbezüglich also keine Sorgen machen.

INFO

WIE LANGE WÄCHST EIN BAUM BIS ZUR ERNTE?

Wann ein Baum gefällt werden kann, ist je nach Baumart sehr unterschiedlich. So ist die Pappel bereits nach 30 bis 50 Jahren Wachstum «erntereif», ein Ahorn nach 100 bis 120 Jahren und eine Eiche erst nach 180 bis 300 Jahren. Das natürliche Höchstalter eines Baumes liegt höher. So kann eine Linde 1000 Jahre alt werden.


WIDERSTANDSFÄHIGES HOLZ FÜR DRAUSSEN

Auch im Garten ist Holz sehr beliebt. Das Material schafft die perfekte Verbindung zwischen Natur und Haus. Ob für Gartenmöbel oder für Bauteile wie Terrassen, ist das Holz der Witterung ausgesetzt, sollte es natürlich wetterfest sein. Tropische Holzarten wie Teak würden sich für den Aussenbereich zwar sehr gut eignen, weisen aber keine gute Ökobilanz aus. Zertifizierte Tropenhölzer sind zudem oft teurer als einheimische Holzarten. Teak-Alternativen sind Douglasie, Lärche und Robinie.

Die Lebensdauer von Holz lässt sich verlängern, indem die Oberfläche regelmässig mit Ölen, Lasuren oder Lacken versiegelt wird. Welche Behandlung zu welcher Holzart passt, erfahren Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer im Baumarkt. Unbehandeltes Holz entwickelt mit der Zeit eine natürliche Patina, eine «Verwitterungsschicht» – dieser Effekt ist durchaus gewünscht. Je nach Besonnung und Klima vergraut das Holz oder wird dunkler. Eine Fassade ist nach einigen Jahren meist regelmässig verwittert.

INFO

WAS HOLZ MIT UNSERER GESUNDHEIT ZU TUN HAT

Holz erhöht das Wohlbefinden – aber wieso? Wald bildete den wohl frühesten Lebensraum der Menschen. Neuere Forschungen bestätigen, dass unser Körper mit Bäumen interagiert. So fanden japanische und koreanische Forscher heraus, dass sich ein Waldspaziergang positiv auf das Immunsystem und Herz-Kreislauf-System auswirkt (siehe auch Buchtipp). Der gesundheitliche Effekt beschränkt sich nicht nur auf Bäume: Das österreichische Joanneum-Forschungsinstitut fand heraus, dass Schlafen in einem Arvenholzbett zu einer reduzierten Herzfrequenz und einer deutlich besseren Schlafqualität führt. Kein Wunder, fühlen wir uns in einer Umgebung aus Holz besonders «aufgehoben».  


WANDPANEELE, PARKETT & CO.

In Holzbauweise erstellte Bauten sind in der Regel auch innen mit Holz ausgebaut, was sich positiv auf das Raumklima und die Atmosphäre auswirkt. Doch auch in herkömmlich gebauten Häusern ist Holz schwer in Mode – nicht nur als Parkett, sondern ebenso im Treppenbau, als Wandverkleidung, bei Küchenfronten und Möbeln. Eine Wandverkleidung aus Holz lässt einen Raum behaglich wirken. Jenseits vom klassischen Täfer – der vielleicht mehr in ein urchiges Chalet passt – gibt es unzählige moderne Varianten. Akustik-Wandpaneele aus Holz können sogar Schall absorbieren und passen zum Beispiel gut ins Wohnzimmer bzw. ins Heimkino. Im Innenausbau sind robuste Nadel- und Laubhölzer wie Fichte, Tanne, Buche, Eiche oder Nussbaum geeignet. Für Fussböden sollte man auf harte Hölzer wie Eiche setzen. Parkett ist in verschiedensten Ausführungen erhältlich: So verleihen zum Beispiel thermische Behandlungen dem Holz einen anderen Look. Im Trend sind auch naturbelassene, lediglich geölte oder gewachste Holzböden. 

Neben Massivholz ist heute eine grosse Palette an Holzwerkstoffen verfügbar, etwa ein- und mehrlagige Massivholzplatten, Sperrholz mit unterschiedlichen Oberflächen oder Spanplatten, die beispielsweise furniert oder beschichtet sind. Hinzu kommen Faserplatten wie MDF – mehr über Holzwerkstoffe gibt’s unter «Holz und Holzwerkstoffe» zu lesen.


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