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Mobil: Möbel mit Rollen

Die Zeit des mühseligen Möbelrückens ist vorbei. Tisch, Stuhl und Bett sind auf die Räder gekommen und lassen sich leicht verschieben. Nützlich sind die beweglichen Möbel vor allem für Hausbesitzerinnen, die ihre Einrichtung öfters umstellen und ihren Schränken und Kommoden keine fixen Plätze zugedacht haben.

Text — Helen Weiss

 

Das Wort «Möbel» stammt aus dem Lateinischen «mobile» und bedeutet übersetzt beweglich, verstellbar, fahrbar. Da ist die Idee nicht mehr weit, Möbel und Räder miteinander zu kombinieren. Nicht nur Sofatische und Bürostühle kommen ins Rollen – auch Bücherregale sind in Bewegung. Was bisher in jeder Wohnung einen unverrückbaren Standort hatte, wird auf Rollen zum idealen Raumtrenner. Auch der bequeme Sessel für gemütliche Lesestunden muss nicht immer in derselben Wohnzimmerecke stehen. Denn wer sitzt an lauen Sommerabenden nicht auch mal gerne vor der offenen Balkontür oder kuschelt sich am regnerischen Herbsttag während des Monumentalfilms vor den Fernseher in die Kissen. Zwei Rollen anstelle der beiden hinteren Sesselbeine machen den Sessel mobil, indem man ihn einfach an der Rückenlehne nach hinten kippt und schiebt. Und die liebsten mobilen Stücke im Haushalt sind eindeutig kleine, praktische Allzweckmöbel mit Ablagefläche und Schubladen, die für keinen bestimmten Wohnbereich gedacht sind, sondern in Küche, Bad, Schlafzimmer oder Stube Anwendung finden.

INFO

PRAKTISCH TRANSPORTIEREN

Ob Getränkeharassen, Pflanzentöpfe oder Umzugskisten: Transportwagen sind im Haushalt unverzichtbar. Wer nach einem passenden Helfer auf Rädern sucht, merkt rasch, dass die  Modellauswahl enorm ist. Beim Kauf sollten deshalb bestimmte Punkte berücksichtigt werden, damit der persönliche Traumwagen gefunden wird. Um den Wagen flexibel bewegen zu können, sollten mindestens zwei der Räder Lenkrollen sein – um die Unfallgefahr zu verringern, ist zudem ein Bremssystem empfehlenswert. Eine raue Oberfläche verhindert das Verrutschen der Beladung und wenn der Schubbügel in der Länge verstellbar ist, kann der Transportwagen durch Personen unterschiedlicher Grössen komfortabel bewegt werden. Klappbare Modelle sind platzsparend verstaubar und passen sogar in den Kofferraum. Für den privaten Bereich reichen Transportwagen mit maximaler Tragkraft von 150 Kilogramm aus. Nicht zuletzt ist auch das Eigengewicht entscheidend: Rund acht bis zehn Kilogramm lassen sich noch gut in den Kofferraum heben.


RADKUNDE BETREIBEN

Wer seine Möbel mobil machen möchte, ist gut beraten, etwas Radkunde zu betreiben – denn für jedes DIY-Projekt gibt es die passende Rolle. Grundsätzlich gilt: Je grösser das Rad, desto leichter läuft es. Müssen in der Wohnung mögliche Hindernisse wie Schwellen oder Übergänge überwunden werden? Auch in diesem Fall haben grössere Rollendurchmesser die Nase vorn und bieten einen höheren Komfort beim Bewegen des Möbelstücks.

Daneben ist nicht allein die Rolle selbst entscheidend, sondern auch das Gewicht des Möbelstücks. Leichte Materialien können einfacher fahrbar gemacht werden – deshalb sind Möbel aus modernen Werkstoffen, die oft aus einem Materialmix bestehen, der bei einem geringen Gewicht ein hohes Mass an Stabilität bietet, die bessere Wahl. Bestimmte Materialien können sich durch das anhaltend grosse Gewicht auf Räder und Rollen im Laufe der Zeit verziehen. Hier ist deshalb die Anzahl der Rollen entscheidend: Statt vier sind allenfalls 5 oder 6 Räder besser. Für hohe Lasten werden auch sogenannte Doppelrollen angeboten.

DIE EXPERTIN

Sabrina Funda
Geschäftsführerin und Inhaberin der Sigerist GmbH in Schaffhausen

 

«BEI DER WAHL VON ROLLEN MUSS VOR ALLEM DIE BODENBESCHAFFENHEIT BERÜCKSICHTIGT WERDEN»

Worauf muss ich bei der Wahl der Rollen achten, wenn ich ein bestimmtes Möbelstück nachträglich rollbar machen möchte?
Grundsätzlich gilt es, den Einsatzort der Rollen zu definieren. Allenfalls herrschen spezielle Umweltbedingungen, etwa wenn das Möbelstück draussen in der Witterung steht. Auch die Höhe der Rolle ist ein wichtiger Aspekt – bei rollbaren Küchenelementen müssen etwa die Einbaumasse eingehalten und bei Bürotischen die Arbeitshöhe beachtet werden.

Rollen gibt es in unterschiedlichen Grössen und Formen. Können die Modelle nach rein ästhetischen Aspekten gewählt werden?
Nein, bei der Wahl muss vor allem der Untergrund, bzw. die Bodenbeschaffenheit berücksichtigt werden. An ein Rad, das auf Teppich rollen muss, werden ganz andere Anforderungen gestellt als an eines, das sich auf Parkett oder einem Kiesboden bewegt. Für Parkett, Sichtbeton oder Platten empfehle ich eine Rolle mit Vollgummibereifung. Heute wird der Gummi oft eingefärbt und neonpinke oder grasgrüne Rollen als Style-Element eingesetzt. Ideal ist jedoch eine graue Bereifung, sie erzeugt weder Streifen noch Abdrücke. Für Teppich sind Rollen aus Polyamid, also Hartkunststoff, am besten geeignet.

Welches sind Ihre persönlichen Geheimtipps punkto Rollen?
Bei der Auswahl gibt es drei einfache Grundsätze zu beachten. Je grösser der Widerstand, umso grösser sollte die Rolle sein. Räder mit Kugellager sind qualitativ immer besser als solche mit Gleitlager. Zur Befestigung ist eine Platte mit vier Schrauben einem einzelnen Stift aufgrund der Stabilität vorzuziehen. Eines meiner Lieblingsprodukte ist zudem unser «Easy-Synchro», ein Hebesystem, das entwickelt wurde, um Möbel einfach zu verschieben. Es lässt sich in Schränke, Werkbänke, Arbeitstische und Regale einbauen, so dass sich sogar schwere Möbel dank des Hubsystems kinderleicht bewegen lassen.


STABILER UNTERBODEN GEFRAGT

Mobile Möbel werden mehr beansprucht als ein Möbelstück, das nicht bewegt wird. Statisch relevante Bauteile müssen deshalb fest verleimt sein und dürfen nicht zerlegbar ausgeführt werden. Im Besonderen gilt dies für die Rückwand, die in der Möbelstatik quasi das «Rückgrat» des Möbelstückes bildet. Jede Bewegung in der Konstruktion kann Schäden nach sich ziehen, die das Möbel über lange Sicht irgendwann unbrauchbar machen. Bei mobilen Möbeln liegt das ganze Gewicht zudem auf jenen Punkten, wo die Rollen befestigt sind. Das hat Einfluss auf die Konstruktion des Möbelsockels: Es ist daher sicher von Vorteil, wenn eine Art Grundplatte unter dem Unterboden verbaut wird. Dadurch werden die anfallenden Kräfte von der Grundplatte aufgenommen, was entlastend auf den Bereich vom Unterboden zwischen Seite und Boden wirkt. Der Massgebung muss während der Planung ebenfalls Beachtung geschenkt werden, da Möbel mit Türen oder Schubkästen zum Kippen neigen, wenn diese geöffnet werden. Rollen sollten zudem nicht allein als interessantes Design-Element dienen: Mobile Möbel müssen tatsächlich auch ab und an bewegt werden. Steht zum Beispiel ein Rollenschrank für lange Zeit an einer Stelle, kann es durchaus vorkommen, dass bei der ersten Bewegung eine gewisse Unwucht auftritt, die Rolle also aufgrund der statischen Position in ein Ungleichgewicht gerät.

INFO

DAS RÄDER- UND ROLLEN-ABC

  • Traglast: Unter Traglast versteht man die maximale Belastung eines Rades oder einer Rolle. Zur Festlegung der Traglast gilt bei 4 Rollen folgende Formel: Eigengewicht des Möbels + Zuladung ÷ 3. Durch 3 wird dividiert, da bei unebenem Boden oftmals nur drei der vier Räder tragen.
  • Anfahr- und Rollwiderstand: Hier wird die Kraft bemessen, die notwendig ist, um eine rollende Last in Bewegung zu setzen und zu halten.  Der Anfahr- und der Rollwiderstand ist abhängig von der Belastung, der Umgebungstemperatur, dem Raddurchmesser, der Radlagerart und der Bodenbeschaffenheit.
  • Lenk- und Bockrollen: Lenkrollen sind vertikal schwenkbar. Sie können sich dadurch selbstständig zur aktuellen Bewegungsrichtung einstellen. Bockrollen hingegen können sich nur in eine Richtung geradeaus bewegen – dies jedoch schnell und stabil. Alle Rollen sind zudem mit Stopp erhältlich, was sich bei Möbeln selbstverständlich anbietet.
  • Laufeigenschaften: Ob Gummi, Kunststoff, Grauguss oder luftgefüllt – jedes Material verfügt über bestimmte Laufeigenschaften.  Unter diesem Begriff wird Widerstand, Abrieb und Traglast beschrieben.